
Ob Wandern, Klettern, Bergsteigen, Skitouren oder Radfahren – Bergzeit bietet Kunden ein breites Produktspektrum für den Bergsport an. Das Unternehmen hat seinen Sitz im oberbayerischen Otterfing, ca. 30km südlich von München. Der Bergsportausrüster wurde 1999 als klassisches Start-up mit einem Dachbodengeschäft gegründet. Anfangs stellte der Gründer Klaus Lehner Toureninformationen im Internet bereit und kam über das Tourenportal mit vielen Menschen in Kontakt. Daraus ergaben sich immer mehr Anfragen für Ausrüstungsgegenstände.
Mit Fahrradcomputern war der Grundstein gelegt für den Vertrieb im Internet. 2001 ging der Onlineshop ‚Bergzeit‘ live. Das Unternehmen wuchs rasch. 2003 und 2010 wurden Filialen in Großhartpenning bei Holzkirchen und in Gmund am Tegernsee eröffnet. 2017 wurde in Otterfing bei Holzkirchen der Neubau der Bergzeit-Zentrale mit Logistik und Verwaltungsgebäude eröffnet. In den ersten Jahren wurde hier der komplette Versand manuell abgewickelt. Weil die Kapazitätsgrenze bald erreicht war, beschloss die Geschäftsleitung 2020 den Neubau eines automatisierten Shuttle-Lagers.

Vom Dachboden ins Hochregallager
Nach Fertigstellung des Anbaus ließ Bergzeit die Regalanlage durch einen Dienstleister errichten. Im Anschluss baute PSB Intralogistics die Shuttles ein. „Neben einer effizienten Logistikabwicklung sollte das Shuttle-Lager energetisch nachhaltig sein“, berichtet Holger Cecco-Stark, Head of Facility & ECO-Management bei Bergzeit. Eine Anforderung war deshalb, die Bremsenergie der Lifte ins Netz zurückzuspeisen. An dieser Stelle kamen Antriebe mit Rückspeiseeinheiten von SEW-Eurodrive ins Spiel. Weil das neue Hochregallager eine energieintensive Anlage ist, wurde ein zudem neuer Transformator installiert. Im Jahr 2022 wurde das automatisierte Lager fertiggestellt. Es umfasst 54.000 Lagerplätze in sieben identischen Gassen. In diesen sind jeweils acht Shuttles unterwegs, die in den Ebenen frei versetzbar sind. „In den Gassen arbeiten wir mit dreifach tiefer Lagerung“, erklärt Cecco-Stark. Wo das Shuttle anhält, kann es also sechs Lagerplätze bedienen“.

Heber mit starker Beschleunigung
In diesem Hochregallager sind jeweils zwei Heber an der Frontseite und zwei Heber in der Mitte einer Gasse installiert. Diese Shuttle-Aufzüge werden durch Synchron-Servomotoren CMP112 M mit Kegelradgetrieben KA77B von SEW-Eurodrive bewegt. Mit 7m/s2 beschleunigen die Getriebemotoren die Lifte auf eine Maximalgeschwindigkeit von 5m/s. Weil die vier 32-A-Module des Frequenzumrichters zu einer Gruppe am Zwischenkreis zusammengefasst sind, können sie über diese Verbindung untereinander Energie auszutauschen. Ein Lagerverwaltungsrechner koordiniert die Fahrbewegungen der Shuttles und Heber und verhindert Kollisionen. Wenn sich z.B. ein Heber oben befindet, kann er nur dann herunterfahren, wenn der andere Heber auf einer tieferen Position steht. Beim Abbremsen bzw. Absenken der Heber wird die kinetische Energie wieder in elektrische umgewandelt.
Auf Wunsch des Kunden wurden sinusförmige Rückspeisemodule eingesetzt. Klaus Kröner, Applikationsingenieur für Rückspeisegeräte bei SEW-Eurodrive, betreute die Firma PSB schon bei den ersten Feldtests dieser Geräte. Der Anlagenbauer aus Pirmasens, ein langjähriger Partner von SEW-Eurodrive, setzte diese Rückspeisungen als einer der ersten Anwender ein. Gemeinsam mit einem Steuerungstechniker von PSB hat der Service von SEW-Eurodrive bei den sinusförmigen Rückspeiseeinheiten die Ansteuerung optimiert und Energiezähler ausgeführt. Über diese digitale Schnittstelle wird der aktuelle motorische bzw. generatorische Energiefluss gemessen. Die Rückspeisungen sind mit IGBTs bestückt, die mit 12kHz takten. Eine Filterdrossel als Tiefpass verhindert, dass die 12kHz Taktfrequenz ins Netz gelangt. Wenn kein Fahrauftrag für die Lifte anliegt, wird nach einer Minute die Rückspeisung gesperrt, um Stillstandsverluste zu vermeiden. Die sinusförmige Netzrückspeisung Movidrive MDR90B ist für 50kW Ein- und Rückspeiseleistung mit 2,5-facher Peakleistung ausgelegt. Ebenso wie die Frequenzumrichter der Baureihe Movidrive modular ist sie Bestandteil des Automatisierungsbaukastens Movi-C.

Nachhaltige Energieversorgung
Die Firma Bergzeit legt großen Wert auf den umweltschonenden Einsatz von Ressourcen. Im Rahmen der strategischen Ausrichtung hat das Unternehmen ein Energiekonzept entwickelt, das in nahezu allen Unternehmensbereichen etabliert ist und weiter ausgebaut wird. Seit 2020 lässt sich das Unternehmen nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS validieren. Das „Eco-Management and Audit Scheme“ stellt sicher, dass alle Umweltaspekte von Energieeinsatz bis zu Abfall und Emissionen rechtssicher und transparent umgesetzt werden.


















