
Herr Geldmacher, was treibt Ihr Unternehmen im Kern an?
Fin Geldmacher: Im Kern implementieren wir für unsere Kunden nachhaltige SAP-Lösungen für ihre Logistikprozesse. Viele Firmen kämpfen mit gewachsenen Strukturen. Systeme passen oft nicht mehr zu den Abläufen. Oder Prozesse greifen nicht sauber ineinander. Genau dort setzen wir an und heben die Prozesswelt auf eine moderne SAP-Systemarchitektur und damit auf eine zukunftsfähige Logistik. Das Ziel ist klar: mehr Transparenz, mehr Effizienz, mehr Flexibilität.
Sie fokussieren sich auf SAP EWM und SAP TM. Was leisten diese Lösungen konkret?
SAP EWM steht für Extended Warehouse Management. Das System bildet sämtliche Prozesse der Lagerlogistik ab. Neben den Kernbereichen Wareneingangs-, Warenausgangs- und lagerinternen Prozessen bietet die Lösung viele weitere Funktionen für die komplexen Anforderungen der heutigen Produktions- und Distributionslogistik. Auch die Integration von Automatiklägern und Robotik spielt eine zunehmende Rolle. SAP TM (Transportation Management) beinhaltet alle Prozesse für die Planung, Steuerung und Abrechnung von Transporten. Kernfunktionen sind unter anderem die Tourenplanung multimodaler Transporte, Frachtkostenabrechnung und Paletten- sowie Laderaumoptimierung. Beide SAP-Lösungen greifen nahtlos ineinander. In Kombination mit dem SAP ERP S/4Hana entsteht ein durchgängiger Material- und Informationsfluss für alle Prozessvarianten, die die Logistik hergibt.
Welchen Mehrwert bieten diese Lösungen?
Technische Entscheider legen nicht nur Wert darauf, dass das System zum Schluss funktioniert, sondern auch wie der Weg zur Lösung ist. Und dass sie eine Lösung haben, die nicht nur aus logistischer Sicht gut, sondern auch aus der IT-Perspektive nachhaltig umgesetzt ist. Sie wollen Systeme, die sich sauber in die bestehende IT einfügen und in Zukunft flexibel erweitert und aktualisiert werden können. Genau das leisten wir, denn wir arbeiten standardnah. Das heißt, unser Systemdesign basiert immer auf Prozessen und Funktionen, die SAP bereits mitbringt. So sinkt das Projektrisiko und gleichzeitig bleibt das System updatefähig. Das ist wichtig, weil SAP seine Lösungen stetig weiterentwickelt und mit der Cloud-Strategie regelmäßig neue Funktionalitäten zur Verfügung stehen.
Was bedeutet diese standardnahe Implementierung in der Praxis?
Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden verstehen, wie der Standard funktioniert, um eine gute Entscheidungsgrundlage für die Implementierung zu schaffen. So können unnötige Eigenentwicklungen vermieden werden. Denn jede zusätzliche Programmierung erhöht Aufwand und Komplexität. Daher prüfen wir genau, wo Programmierung wirklich nötig ist und wie sie gegebenenfalls standardnah umgesetzt werden kann. Das Ergebnis ist ein System, das wartbar bleibt und schnell reagiert. Für die User bedeutet das weniger Überraschungen im Betrieb. Der moderne Lagerbetrieb ist hochdigitalisiert – und produziert täglich riesige Datenmengen. Diese können Unternehmen jetzt ebenso einfach wie produktiv für die Optimierung ihrer Intralogistik nutzen. Der Schlüssel dazu: myLinde AI. ‣ weiterlesen
myLinde AI: KI-Support für die Flotte
Ihr USP ist die Prismat/Rakete. Was steckt dahinter?
Die Idee ist einfach: Wir bündeln erprobte Prozesse und Projektmethoden in einem strukturierten Ansatz. So verkürzen wir die Einführungszeit deutlich. Unternehmen erhalten schneller ein lauffähiges System. Dabei bleiben wir nahe am SAP-Standard. Die Prismat/Rakete ist kein starres Produkt, sondern ein Baukasten vieler Einzellösungen, der eine flexible Auswahl für spezifische Lager- und Transportprozesse ermöglicht.
Geschwindigkeit klingt gut. Wie sichern Sie dabei die Qualität?
Tempo ohne Struktur bringt wenig. Wir arbeiten mit klaren Projektphasen: Am Anfang steht die Analyse. Wir erfassen Prozesse und Ziele, danach folgt ein Design, das auf bewährten Mustern basiert. In der Umsetzung nutzen wir vorkonfigurierte Lösungsbausteine. Darin enthalten sind auch Best Practices, die anhand unserer Projekterfahrung Testaufwände und Fehlerquellen reduzieren. So profitieren unsere Kunden von unserer Erfahrung und beschleunigen ihr SAP-Projekt.
Projekte scheitern immer wieder an der Akzeptanz der Beschäftigten. Wie gehen Sie damit um?
Ein System ist nur so gut wie seine Nutzung. Deshalb beziehen wir die Fachbereiche früh ein. Wir erklären Funktionen verständlich und schulen Mitarbeitende praxisnah. Dabei nutzen wir echte Prozessbeispiele. So erkennen alle Beteiligten schnell den Nutzen. Wichtig ist auch eine gute User Experience, denn moderne Oberflächen helfen, Fehler zu vermeiden. Das steigert die Akzeptanz im Alltag.
Wie integrieren Sie individuelle Anforderungen, wenn der Standard nicht ausreicht?
Es gibt immer Sonderfälle. Wichtig ist, diese sauber zu bewerten. Wir prüfen zuerst, ob sich der Prozess anpassen lässt und wir komplett im Standard bleiben können. Wenn das nicht sinnvoll ist, suchen wir nach standardnahen Lösungen. Beispielsweise nutzen wir vorhandene Objekte oder Schnittstellen, die wir erweitern, sodass die Standardkonfigurationen nicht beeinträchtigt werden. Das System bleibt stabil und updatefähig. Jede Anpassung muss einen echten Mehrwert liefern und Upgrades ermöglichen, denn sonst lohnt sie sich nicht.
SAP treibt den Wandel in die Cloud konsequent voran. Welche konkreten Vorteile ergeben sich daraus für Unternehmen in der Logistik?
Der strategische Shift von SAP in Richtung Cloud, insbesondere mit S/4Hana Public Cloud, und die zentrale Rolle von SAP Logistics Management sind entscheidend für die post-digitale Transformationsphase von Unternehmen. Es geht dabei um Ansätze, die kürzere Innovationszyklen und schnellere System- und Softwarekombinationen zu ermöglichen – entscheidend für die agile und datengestützte Lieferkette, die den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gewachsen ist.
Welche Rolle spielt hierbei künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz ist ein Sammelbegriff für mehrere Technologiefelder, von denen manche der Auslöser für eben jene verkürzten Innovationszyklen sind. Zum einen sind da Themen wie Predictive Analytics oder Prescriptive Analytics, die im strategischen Bereich Anwendung finden, wo es systemseitig vor allem um Datentransparenz und Aggregationsmöglichkeiten geht. Zum anderen passiert durch Entwicklungen in puncto Perceptive AI und Agentic AI auch viel im Bereich der Automatisierung, was – nicht nur, aber auch – ein Schnittstellen- und Integrationsthema ist. Bei der User Experience spielt KI ebenfalls eine Rolle: ganz konkret und im operativen Bereich, zum Beispiel mit der Integration von LLM-Funktionalitäten, um Mensch-und-System-Interaktion durch Spracheingabe und -ausgabe zu unterstützen.
Wie lässt sich KI konkret in SAP-Projekten nutzen, ohne die Komplexität zu erhöhen?
In SAP-Lösungen wie SAP EWM und SAP TM lassen sich via SAP Joule Funktionen einfacher integrieren. Und über die SAP Business Technology Platform (BTP) können auch die Wechselwirkungen mit externen Softwarekomponenten für Funktionen mit KI-Unterstützung herangezogen werden. Hier müssen also keine neuen Systeme aufgesetzt werden. Spannend sind hier vor allem die Kombinationsmöglichkeiten: LLM-Szenarien wie zum Beispiel das Abfragen von Informationen via KI-Chat oder das Zusammenfassen von Bildmaterial kommen bei den Prismat-Lösungen schon zum Einsatz und erweitern für konkrete Operationen im Logistikalltag den Grad an Systemassistenz: Unsere 3D-/2D-Lagervisualisierung bietet durch die Echtzeit-Darstellung eines virtuellen Lagers bereits einen intuitiven Überblick über die Lagerplatzinformationen im SAP EWM. Durch die Kombination mit dem KI-Chat, der Meldungen per Sprache erklärt und Handlungsvorschläge für Reaktionen und Anpassungen nicht nur formuliert, sondern als Transaktionen vorbereitet, sehen wir hier in puncto User Experience einen sehr großen Sprung – live in Aktion.
Zum Abschluss: Wie sehen Sie die Zukunft der Logistik-IT?
Die Systeme werden stärker vernetzt, Daten fließen in Echtzeit, Entscheidungen lassen sich schneller treffen und Automatisierung wird weiter zunehmen. Gleichzeitig bleibt der Mensch wichtig: Er steuert und überwacht die Prozesse. Unternehmen brauchen daher Lösungen, die Technik und Praxis verbinden. Genau daran arbeiten wir jeden Tag.
















